{"id":134,"date":"2007-05-29T20:00:37","date_gmt":"2007-05-29T19:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/2007\/05\/29\/woher-kommt-das-kreuz-im-daadener-wappen\/"},"modified":"2007-05-29T20:29:31","modified_gmt":"2007-05-29T19:29:31","slug":"woher-kommt-das-kreuz-im-daadener-wappen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/2007\/05\/29\/woher-kommt-das-kreuz-im-daadener-wappen\/","title":{"rendered":"Woher kommt das Kreuz im Daadener Wappen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kulturhistorische Wanderung des Westerwaldvereins Daaden<\/strong><\/p>\n<p>In die Daadener Geschichte tauchten die etwa 45 Teilnehmer der kulturhistorischen Wanderung des Westerwaldvereins Daaden am 13. Mai 2007 ein. Gerhard Beck aus Biersdorf und geb\u00fcrtig aus Herdorf, der sich in seiner Freizeit intensiv mit Heimatgeschichte und -forschung besch\u00e4ftigt, vermittelte den Wanderern an verschiedenen markanten Punkten viele Einblicke in die fr\u00fche Geschichte des Daadener Landes, die zum Teil bislang noch nicht bekannt waren. Der Hobbyheimatforscher hat gr\u00fcndlich in alten Akten und Urkunden recherchiert und kann alle historischen Erkenntnisse urkundlich belegen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-content\/WWV_KHW2007_5.jpg\" alt=\"Kulturhistorische Wanderung\" \/><br \/><small><\/small><\/p>\n<p align=\"center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-content\/WWV_KHW2007_1.jpg\" alt=\"Kulturhistorische Wanderung\" \/><br \/><small><\/small><\/p>\n<p>Von Daaden f\u00fchrte der Weg die Wanderer zun\u00e4chst bergauf zur H\u00fcllbuche und von dort ins Sottersbachtal. Hier befand sich im 13. Jahrhundert der Hof Sichtersbach, der von dem urspr\u00fcnglichen Eigent\u00fcmer \u00fcber den Ritter Christian von Seelbach an die Grafen von Sayn gelangte und als einer der ersten Besitzt\u00fcmer der Sayner im Raum Daaden\/Herdorf angesehen werden kann.<\/p>\n<p>Oberhalb von Herdorf, am Josefsh\u00e4uschen, erl\u00e4uterte Gerhard Beck den interessierten Zuh\u00f6rern die fr\u00fchere Dreiteilung von Herdorf: K\u00f6nigsmauer, Herdorf links der Heller und Herdorf rechts der Heller. Dabei geh\u00f6rte der \u00e4lteste Teil, die K\u00f6nigsmauer, von alters her zu Daaden.<\/p>\n<p align=\"center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-content\/WWV_KHW2007_2.jpg\" alt=\"Kulturhistorische Wanderung\" \/><br \/><small><\/small><\/p>\n<p align=\"center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-content\/WWV_KHW2007_3.jpg\" alt=\"Kulturhistorische Wanderung\" \/><br \/><small><\/small><\/p>\n<p>Vom Josefsh\u00e4uschen ging der Wanderweg wieder auf die H\u00f6he: \u00fcber die alte Grube &#8222;Malscheid&#8220;, die in einer Beschreibung zu Anfang des 18. Jahrhunderts als sehenswerte Kupfergrube erw\u00e4hnt wird, erreichten die Wanderer den Hohenseelbachskopf.<\/p>\n<p>Im Jahre 1350 schenkte Graf Johann von Sayn der Ganerbengemeinschaft der Seelbacher den Berg Malsch zur Erbauung einer Burg. Doch die Seelbacher st\u00f6rten den sogenannten Landfrieden. Vermutlich erhoben sie an der direkt vorbeif\u00fchrenden alten Handelsstra\u00dfe unberechtigt Wegezoll von Kaufleuten. Diese Landfriedensst\u00f6rung bedeutete das Ende der Burg, die zwei Jahre sp\u00e4ter von den Seelbachern an den Erzbischof von Trier \u00fcbergeben und von diesem zerst\u00f6rt wurde. Das Raubrittertum der Seelbacher und der Kampf um Hohenseelbach geh\u00f6ren damit eindeutig in den Bereich der Sage.<\/p>\n<p align=\"center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-content\/WWV_KHW2007_4.jpg\" alt=\"Kulturhistorische Wanderung\" \/><br \/><small><\/small><\/p>\n<p>\u00dcber die Rodenbach erreichten die Wanderer den M\u00fchlberg, von dem sich ein sch\u00f6ner Blick auf Daaden und die umliegenden H\u00f6hen bietet, u. a. auch auf die &#8222;Burg&#8220; oberhalb des Silberberges. Aller Wahrscheinlichkeit nach stand hier tats\u00e4chlich einmal eine Burg, und zwar die von Gerhard von Seelbach aus der Krottorfer Linie, einem Burgmannen der Grafen von Sayn, da das Zentrum seines Wirkens in und um Daaden lag. In einer Urkunde von 1326, der einen innerfamili\u00e4ren Verkauf regelt, ist von Burgen (Mehrzahl!), H\u00f6fen, H\u00e4usern, Wiesen und \u00c4ckern in und um Daaden herum die Rede. Vermutlich reversierten die Krottorfer ihr Territorium an die Sayner Grafen, die dadurch in dessen Besitz gelangten.<\/p>\n<p>Vom M\u00fchlberg f\u00fchrte die letzte Etappe der Wanderung in den Ortskern von Daaden. Stationen waren die ehemalige Kupferh\u00fctte (heute &#8222;Dollar-Hugo&#8220;) und der Sch\u00fctzenhof.<\/p>\n<p>In der Kirche h\u00f6rten die Geschichtsinteressierten noch einen ausf\u00fchrlichen Bericht von Gerhard Beck \u00fcber das &#8222;Greifensteiner Lehen&#8220;, den Besitz der Sayner in Daaden und das alte Gerichtssiegel, das auch Grundlage des Amtswappens ist.<\/p>\n<p>Im 10.\/11. Jahrhundert geh\u00f6rte Daaden zum Haigergau, der der Herrschaft des Wormser Bischofs unterstand. Im 12. Jahrhundert drangen die Greifensteiner in unseren Raum u. a. bis nach Daaden vor, wo neue Besitzungen entstanden. Als die Burg Greifenstein im Jahr 1298 zerst\u00f6rt wurde, verkauften die Erben den gesamten Besitz an den damaligen K\u00f6nig Albrecht I., der wiederum im Jahre 1308 die Besitzrechte an die Grafen von Nassau-Dillenburg \u00fcbertrug. Es erfolgte die Belehnung und damit die Best\u00e4tigung durch Bischof Emmerich von Worms. Mit diesem Tag fiel somit auch Daaden erstmals an das Haus Nassau.<\/p>\n<p>Zwar belehnte der Nachfolger von K\u00f6nig Albrecht, Ludwig der Bayer, den Grafen Gottfried von Sayn 1322 mit der Herrschaft Greifenstein, doch blieb sie nicht in Sayner H\u00e4nden. Sein Sohn Johann von Sayn-Greifenstein verkaufte seine Rechte an Burg und errschaft am 6. Septber 1395 dem Grafen Herrschaft Greifenstein an Graf Johann von Nassau-Dillenburg, wozu Bischof Eckard von Worms, dessen Vorfahren aus Derschen stammten, bereits zwei Tage sp\u00e4ter seine Genehmigung erteilte. Von besonderer Bedeutung ist eine dem Vertrag beigef\u00fcgte Auflistung \u00fcber die Greifensteiner Besitzungen bzw. Lehen; hier werden sowohl die Kirche von Daaden als auch die &#8222;Greifensteiner Leute daselbst&#8220; genannt. Oberster Lehnsherr des Zentrums von Daaden war daher der Wormser Bischof.<\/p>\n<p>Noch im Jahr 1474 wird der Kirchsatz zu Daaden als zur Herrschaft Greifenstein geh\u00f6rig erw\u00e4hnt. Wann genau nun die endg\u00fcltige \u00dcbertragung an die Sayner erfolgte, muss noch ermittelt werden. Jedenfalls beanspruchte das Haus Nassau-Dillenburg noch bis ins 17. Jahrhundert hinein die Kollatur (Recht zur Besetzung der Pfarrstelle) in Daaden.<\/p>\n<p align=\"center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-content\/hahnengel_300.jpg\" alt=\"Hahnengel\" \/><br \/><small>Hahnengel<\/small><\/p>\n<p>Und wie gelangten die Sayner nach Daaden? Die oberste Gerichtsbarkeit im Kirchspiel Daaden hatten seit dem 12. Jahrhundert die Edelherren von Molsberg. Die niedere Gerichtsbarkeit lag in den H\u00e4nden der hier ans\u00e4ssigen niederen Adelsgeschlechter von Mauden und Langenbach; auch Derschen hatte einen kleinen Anteil an der Vogtei (Verwaltungs- und Gerichtsbezirk) Daaden.<\/p>\n<p>Im Jahre 1345 kaufte Johann von Sayn von Christian von Mauden und dessen Sohn Konrad deren Recht und Eigentum an den Gerichten zu Daaden, Kirburg und Gebhardshain ab. Nassau machte zwar eigene Anspr\u00fcche auf das Gericht in Daaden geltend, konnte sich in einem Rechtsstreit aber nicht durchsetzen. 1365 verzichteten Johann und sein Sohn Wilhelm von Derschen f\u00fcr eine Geldrente gegen\u00fcber Sayn auf alle Anspr\u00fcche an den vorgenannten drei Gerichten. Die Geldrente mussten die in Daaden ans\u00e4ssigen &#8222;Freusburgischen Untertanen&#8220; der Sayner aufbringen. Zu diesem Zeitpunkt wird erstmals die Trennung Daadens best\u00e4tigt; einerseits ist von den &#8222;Freusburger Untertanen&#8220;, andererseits von &#8222;Greifensteiner Leuten&#8220; die Rede.<\/p>\n<p>Im Jahre 1465 verfasste Graf Gerhard II. von Sayn eine Gerichtsordnung, in der in \u00a7 13 angeordnet wurde, dass zum einen f\u00fcr das hohe Gericht zu Hachenburg vor dem Tore und zum anderen f\u00fcr das Gericht zu Daaden ein eigenes Gerichtssiegel anzufertigen und zu verwenden sei. Urkunden mit der Verwendung dieses Siegels sind aus den Jahren 1471 und 1495 erhalten. Im Daadener Heimatmuseum befindet sich noch ein Original des alten Gerichtssiegels, das im oberen Feld einen L\u00f6wen, das Wappentier der Sayner, und im unteren Feld ein Kreuz aufweist.<\/p>\n<p>Dieses alte Gerichtswappen wurde vor 50 Jahren auch das Wappen der Verbandsgemeinde Daaden. In der amtlichen Wappenbeschreibung wird das Kreuz als Zeichen der Greifensteiner gedeutet, das auf die fr\u00fchere Zugeh\u00f6rigkeit von Daaden zur Greifenstein Sayn hinweise.<\/p>\n<p>Wenn aber zweifelsfrei feststehe, dass die Verwendung eines Siegels des Gerichts zu Daaden im Jahre 1465 erstmals von Sayn angeordnet wurde, andererseits aber zum gleichen Zeitpunkt die Grafen von Nassau im Besitz des Zentrums von Daaden, n\u00e4mlich der Kirche sowie der nebenan wohnenden &#8222;Greifensteiner Leuten&#8220; waren, dann muss die Beschreibung des Wappens der Verbandsgemeinde Daaden korrigiert werden, f\u00fchrte Gerhard Beck aus. Das Gerichtswappen hatte keinen Bezug zum Greifensteiner Lehen.<\/p>\n<p align=\"center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-content\/gerichtssiegel_300.jpg\" alt=\"Gerichtssiegel\" \/><br \/><small>Gerichtssiegel<\/small><\/p>\n<p>Und welche Bedeutung hat das Kreuz im Wappen dann? Darauf gibt es f\u00fcr Gerhard Beck nur eine Antwort Das Kreuz entspricht exakt dem damaligen Wappen der Kurf\u00fcrsten zu Trier, die die Lehnsherren der Sayner waren. Letztere wollten mit diesem Kreuz nochmals eine deutliche Abgrenzung zu den Nassauern erreichen. Das Sayner Gericht zu Daaden war ganz klar ein Trierer Lehen. <\/p>\n<p>Und noch eine kulturhistorisch interessante Begebenheit erfuhren die Teilnehmer der Wanderung: Ein Heinrich von Daaden aus der Di\u00f6zese Trier berichtete \u00fcber eine Wunderheilung, die 1232 am Grab der Elisabeth von Th\u00fcringen erfolgt sein soll, wie folgt: ein etwa 50-j\u00e4hriger namens Arnold, aus dem Kirchspiel Morsbach stammend, sei an einem Bein gel\u00e4hmt gewesen, so dass er nicht richtig sitzen konnte. Er st\u00fctzte sich auf dazu angefertigte St\u00f6cke, ohne die er sich nicht bewegen konnte, au\u00dfer krabbelnd in seinem Haus. Kurz nach dem Fest des heiligen Michael n\u00e4herte er sich dem Grab der Herrin Landgr\u00e4fin. Nachdem er die Gnade Gottes und die Hilfe der genannten Herrin angerufen hatte, wurde er gesund und kehrte ohne Kr\u00fccken zur\u00fcck. Zw\u00f6lf weitere Personen aus Daaden best\u00e4tigten die Aussage von Heinrich.<\/p>\n<p><small>Text: Ulrich Meyer<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulturhistorische Wanderung des Westerwaldvereins Daaden In die Daadener Geschichte tauchten die etwa 45 Teilnehmer der kulturhistorischen Wanderung des Westerwaldvereins Daaden am 13. Mai 2007 ein. Gerhard Beck aus Biersdorf und geb\u00fcrtig aus Herdorf, der sich in seiner Freizeit intensiv mit Heimatgeschichte und -forschung besch\u00e4ftigt, vermittelte den Wanderern an verschiedenen markanten Punkten viele Einblicke in die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,5],"tags":[],"class_list":["post-134","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-heimatgeschichte","category-wanderungen"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=134"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.westerwaldverein-daaden.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}